Kolbe wurde "Sportler des Jahres"
In unserer neuen Rubrik "Vor 50 Jahren ..." fördert ein Griff in das vom ehemaligen Wettkampfrichter Dieter Raufeisen gut sortierte Heft-Archiv die Dezember-Ausgabe (Nr. 34/1975, 93. Jahrgang) quasi ein Jubiläum zutage. Auf dem Titel prangt einer der Größten unseres Sports: „Sportler des Jahres – Peter-Michael Kolbe“. Darunter ein Foto eines Vierers in der Abenddämmerung, beobachtet von einer Unbekannten vom Ufer aus (Aufnahme: Hinrich Pundsack).
Der fünfmalige Weltmeister und dreimalige Silbermedaillengewinner bei Olympischen Spielen im Einer, Peter-Michael Kolbe, wurde bei der jährlichen Wahl zum „Sportler des Jahres“ im Kurhaus in Baden-Baden feierlich ausgezeichnet. Seinerzeit wanderte die Veranstaltung noch zwischen verschiedenen Orten, doch von 1960 bis 1977 war (wie heute und das seit 1988 regelmäßig) das altehrwürdige Kurhaus Ort der Proklamation. Kolbe war der erste Ruderer überhaupt, der diese Auszeichnung, gewählt durch „632 Fachleute aus Presse, Funk und Fernsehen“, erhielt.

Die Titelseite aus "rudersport" im Dezember 1975.
Als zweiter Sportler aus dem Rudersport, und das ist fast die Duplizität der Ereignisse, gewann im vergangenen Jahr Oliver Zeidler die Wahl - ebenfalls mehrfacher Weltmeister im Einer und im Gegensatz zu Kolbe Olympiasieger. Zeidler steht mit seiner Silbermedaille von der WM in Shanghai auch in diesem Jahr wieder unter den besten 15 Sportlern, die von Sportverbänden und Athletenvertretungen nominiert wurden. Die Auszeichnung findet am 21. Dezember in Baden-Baden statt. Zur Wahl in der Kategorie "Mannschaft des Jahres" steht auch der Doppelvierer der Frauen, Bronzegewinner bei der WM.
1975 waren hinter Kolbe der Turner Eberhard Gienger, nach dem bis heute ein Salto benannt ist, und der Springreiter Alwin Schockemöhle platziert. Bei den Frauen gewann die Wahl die Leichtathletin Ellen Wellmann (später Wessinghage, verstarb 2023 drei Monate bevor auch Kolbe verstarb). Dahinter landeten Rosi Mittermaier (Ski-Alpin) und Ulrike Meyfahrt (Leichtathletik, Hochsprung) auf den Plätzen zwei und drei. Bei den Mannschaften des Jahres gewann Borussia Mönchengladbach (Fußball, Deutscher Meister und UEFA-Pokal-Sieger) vor dem Bahn-Rad-Vierer und der Springreiter-Equipe. BL





