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Arbeitet der Schlagmann mehr?

Kennen Sie das? Sie sitzen auf Schlag und haben das Gefühl, dass es sich auf dieser Position anstrengender rudern lässt als im Bug. Stimmt das, ist es Einbildung oder arbeiten die Ruderer hinter Ihnen nicht richtig mit? Letzteres lässt sich zwar nie ausschließen, Fakt aber ist, dass es bei der Wasserarbeit keine Unterschiede geben sollte.

Ein  Blick auf die objektiven Messdaten, hier die eines Männer-Doppelvierers der Nationalmannschaft, zeigt die Antwort. Dargestellt sind die „Kraft-Winkel-Kurven“ der Backbord-Dollen in einer Wettkampfsimulation (2.000 m, Schlagzahl 37). Auf der x-Achse der Ruderschlag in Winkelgrad [°] (Wasserfassen bei etwa 25°, Orthogonalstellung bei 90° und Ausheben der Blätter bei etwa 130°) und auf der y-Achse die an der Dolle wirkende Kraft in Newton [N]: Je größer die Fläche unter der Kurve, desto höher der Kraftwert.

- Der Schlagplatz (grün) hat im Vergleich zu den anderen Positionen beim Wasserfassen (ca. 30°) eine minimal geringe Schlagweite und im Vorderzug keine höhere Dollenkraft.

- Im gesamten Schlagverlauf wirken die Kräfte des „Mittelschiffs“,  Pl.2 (blau) und Pl.3 (rot), sehr „kompakt“ und sind überwiegend größer als die der Schlagposition.

- Auffällig sind die Vorderzug-Betonung des Bugplatzes (schwarz) und der idealtypische Kurvenverlauf von Pl.3 „Übernahme“ (rot).

- In diesem Beispiel erzeugen in der Schlagsumme die Plätze 3 und 2 jeweils eine höhere Kraftabgabe, als Schlag- und Bugplatz (siehe Abbildung rechts).

Die Erfahrung der „Mehrarbeit“ auf dem Schlag muss dennoch keine Einbildung sein, denn auf Schlag kann es sowohl mental und dadurch auch physiologisch „anstrengender“ sein: Um der Aufgabe als „Rhythmusgeber“ gerecht zu werden, setzen Schlagleute etwa besonders früh oder betonen im Durchzug bestimmte Schlagphasen, mit der Absicht, der Crew optisch und spürbar Orientierung zu geben. Hinzu kommt der Anspruch, den Erwartungen der Aufgabe auf Schlag gerecht zu werden. Das kann durchaus ein Mehr an Aufmerksamkeit und Anstrengung bedeuten.

Ein Schlagmann sollte nicht als „Vorturner“ gesehen werden, der mehr leisten muss, während die anderen ohne nachzudenken „nur nachturnen“. Vielmehr sollte jedes Crewmitglied den Anspruch an sich haben, die eigenen Erwartungen an einen Schlagmann selbst zu erfüllen. Auf diese Weise hält eine erfahrene Mannschaft ihrem Schlagmann den Rücken frei, so dass sich jeder individuell maximal auslasten kann, ganz unabhängig von der Sitzposition.            

Marc Swienty

 

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