Polus: "Der Rudersport müsste mehr Nähe zulassen"
Die Frage muss dem Sportchef eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders gestellt werden, gerade weil er auch begeisterter Ruderer und Experte ist. Warum sehen wir nicht mehr Rudersport live im Fernsehen?
Yorck Polus: Rudern ist zwar eine traditionsreiche Sportart, aber mit einem großen Verharrungstalent. Entwicklungen sind schwierig durchzusetzen. Man tut sich schwer, von Inhalten bis zu Darreichungsformen. Rudern, wie es heute ist, ist für das Mediengeschäft und die Konsumgewohnheiten nicht mehr zeitgemäß. Alle 15 Minuten ein Rennen, bei denen für Außenstehende 1.800 Meter lang nichts passiert und wenn sie auf den letzten 200 Metern sprinten, sieht das noch nicht einmal anstrengend aus.

Yorck Polus rudert regelmäßig bei seinem Heimatverein RV Rauxel. Foto: B. Langbehn
Ist die Streckenlänge das einzige Problem?
Polus: Eigentlich fängt es schon damit an, dass kein Mensch die Bootsgattungen auseinanderhalten kann, wenn er nicht aus dem Sport kommt. Zusätzlich beobachten wir in der Medienwelt eine Zuspitzung auf die absolute Leistungsspitze. Im Rudern kann ein Außenstehender bei den vielen Bootsgattungen den Eindruck bekommen, dass da für jeden eine Nische gefunden wird. Das können die Menschen nicht nachvollziehen.
Diese Zuspitzung ist dem digitalen Zeitalter geschuldet. War es früher leichter ins Fernsehen zu kommen?
Polus: Zumindest waren die Menschen noch leichter abzuholen, weil sie das konsumiert haben, was wir ihnen aufgetischt haben. Das ist heute durch die schiere Unendlichkeit des digitalen Universums nicht mehr so einfach. Da kann sich jeder das suchen, was er gerne hat. So ein Ruderrennen ist erstmal nicht wirklich sexy beim Zugucken, für Außenstehende passiert da einfach zu wenig. Das ist nur was für Freeks.
Wie kann der Rudersport mehr sexy werden?
Polus: Die Vereine müssten es schaffen mehr Menschen, wenigstens die Ruderer aus den Vereinen, an die Regattastrecken zu bringen. Warum sollen ARD oder ZDF einen Weltcup oder eine Deutsche Meisterschaft national übertragen, wenn vor Ort (abzüglich der Verwandten und Freunde der Athleten) mit viel Wohlwollen nur 50 oder 60 Zuschauer sind? Wenn zum Beispiel in Köln-Fühlingen eine Regatta wäre, dann gibt es da doch ein riesiges Einzugsgebiet, aus dem die Mitglieder der Vereine mit einer relativ kurzen Anfahrtszeit kommen könnten, um sich das anzuschauen. Das klappt aber nicht. Das Gespräch führte Bert Langbehn





