Pia Greiten & Co. stürmen von sechs auf drei
Der Frauen-Doppelvierer gewinnt die erste Medaille für den Deutschen Ruderverband und an Tag fünf erst die dritte für das deutsche Olympiateam (nach Gold im Schwimmen und in der Vielseitigkeit-Reiterei). Bronze, Riesen-Jubel, ganz starker Endspurt! Und die Fortsetzung einer großen Tradition in diesem Boot, die nur in Tokio unterbrochen wurde.
Sie sagen, sie hatten einen Plan, sie konzentrieren sich auf ihr Rennen, fahren ihren Start und einen guten Übergang auf den Streckenschlag. Gesagt getan, läuft, aber sie liegen damit nach 500 Metern knapp an letzter Stelle. Die Niederländerinnen sind bereits eine Länge weg, führen vor der starken Ukraine und
Großbritannien, dann China und die Schweiz, der bestens bekannte Gegner, in der Bahn direkt neben ihnen.

Jubel: Der Frauen-Doppelvierer nach Rang drei im Ziel. Foto: J. Kowacic
Aber auch vor der Ukraine, die das Tempo nicht hatten halten können. Und das heißt: Bronze!
Es ist wie eine Neuauflage des Vorlaufs. Pia Greiten & Co. bleiben an den Eidgenossinnen dran, lassen sie nicht weg. Bei 1.000 Metern sind alle anderen Boote klar vor ihnen, auch China und vor allem die Ukraine über eine Länge. Aber sie halten sich an ihren Plan, ihr Rennen. Gleichauf mit der Schweiz, einen Bugkasten hinten, geht es auf die zweite Streckenhälfte. Der gute Plan vom Vorlauf muss jetzt wieder funktionieren. Bis 1.500 Meter rudern sie von einem Bugkasten hinten auf einen Bugkasten vorne vor. China lässt stark nach, wie schon in den Vorläufen, die Ukraine immer noch über eine Länge voraus, somit der DRv-Vierer auf dem vierten Platz Richtung Ziel unterwegs.
Es geht in den Endspurt. Die Schweizerinnen wehren sich, greifen an, doch Maren Völz, Tabea Schendekehl, Leonie Menzel und Pia Greiten verteidigen die Führung, der Plan geht auf. Tabea Schendekehl sagt, die hätte nicht gemerkt, dass die Ukraine auf einmal langsamer wurde, quasi rückwärts fährt. Darum kümmere sich Maren Voelz im Bug und deren Ansage ist klar, ganz nach Plan, jetzt einfach nur alles raus und drauf, sie geben alles und liegen im Ziel 4/10 Sekunden vor der Schweiz.

Nach dem Anlegen waren die Bronze-Gewinnerinnen gefragte Interview-Partnerinnen. Foto: M. Buchheit
Quelle bon surprise, quelle chance. Die Freude ist unendlich groß. Durch die tolle zweite Streckenhälfte im Bord-an-Bord Kampf mit der Schweiz hatten sich die beiden Boote sogar bis auf ein Länge an die beiden führenden Boote aus den Niederlanden und Großbritannien herangeschoben. Mit den letzten beiden Schlägen überholen die Britinnen noch das Oranje-Boot, das vom ersten Schlag an und auch bei 1.500 Metern noch mit einer halben Länge in typisch elegantester Manier geführt hatte. Unfassbar.
Zwei Fotofinishs entscheiden, eins Gold, eins etwas klarer Bronze. Und was war mit der Ukraine passiert? Mit Hilfe unserer polnischen Fotografin, Julia Kowacic, die für uns übersetzt, finden wir heraus, das die Seitenwellen der führenden Boote und eine leichte Brise ihr Boot im Endspurt aus dem Konzept und aus dem Rhythmus gebracht, zudem die ersten 1.500 Meter zu viel Kraft gekostet hatten. Kein Wunder bei 33 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Michael Buchheit
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