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Achter überrascht nach Umbesetzung

Schönherr kehrt zurück, wenn er fit ist

Wie sie den Vorlauf gerudert sind, hatte ihnen gar nicht gefallen. Auf der zweiten Streckenhälfte waren sie wieder auseinandergefallen, die gute Leistungen aus der Vorbereitung hatten sie nicht zeigen können. Im Hoffnungslauf überraschten sie alle, und das, nachdem Schlagmann Mattes Schönherr kurzfristig mit Magen-Darm-Infekt ausgefallen war. Platz zwei!

In diesem Hoffnungslauf ging es um alles. Rumänien oder Italien mussten mindestens geschlagen werden, um das olympische Finale zu erreichen. Alles andere: un catastrophe. Doch dann, am frühen morgen, kommt die dramatische Neuigkeit, der Schlagmann und einer der physisch stärksten, Mattes
Schönherr, hat Magen-Darm. So eine Sch….! (excuse my french).

Erschöpft aber glücklich im Ziel: Der Deutschlandachter sendete ein Lebenszeichen. Foto: J. Kowacic

Für Samstag ist er wahrscheinlich wieder fit, aber wenn der Ersatzmann eingesetzt wird, so ist das olympische Reglement, kann nicht mehr zurück gewechselt werden. Also, wird Julius Christ, der Backborder aus dem Zweier ohne morgens mit der Anfrage konfrontiert. Er fährt mit an die Strecke, ab in den Bug vom Deutschlandachter und das Ding ins Finale bringen. Unverhofft kommt nicht oft.

Aber Julius Christ hat sofort seine Sachen gepackt und ist hinter dem Achter her, raus zur Strecke. Torben Johannesen wechselt von Position zwei auf acht,
übernimmt den Schlag, Julius Christ, oder “J. Christ” (engl. für: Jesus Christus), wie er auf Social Media bekannt wurde, steigt in den Bug ein und bringt dem Deutschlandachter seinen Segen.

Schnellste 500-Meter-Zeit der Regatta

Sie fahren mit der schnellsten 500-Meter-Zeit der ganzen Regatta in 1:20,08 Minuten. Bei schwüler Hitze und Windstille ist das sensationell. Sie setzen sich klar vor die Niederlande, dem Bronze-Favoriten, rudern vor Australien, deren priorisiertem Boot mit drei Olympiasiegern. Das gefürchtete Duell mit Rumänien meistern sie souverän, auch wenn die am Ende nochmal sprinten.

Erst bei 1.500 Metern ziehen die Holländer wieder gleich auf, sprinten zum Sieg mit einer halben Länge Vorsprung. Italien scheidet aus, fiel sehr früh aus dem Feld zurück, schwächer als vermutet. Auch bei den Italienern fiel der Schlagmann mit Magen-Darm aus. Offensichtlich gibt es aber nur einen J. Christ und den hatten wir im Bug. Halleluja!

Auf die Frage, ob man nach dem besten Rennen seit Tokio nicht sagen müsse, never change a winning team, antwortet Julius Christ: doch! Keine Frage, am Samstag sei Mattes wieder im Boot. Es sei eine Teamleistung gewesen, nicht seine im Bug, und Mattes gäbe der Mannschaft sehr viel, da ginge es noch besser. Max John bestätigt das und erzählt, wie es ihnen im Training der letzten beiden Tage tatsächlich bereits gelungen war, die vordere Umkehr härter, exakter, gemeinsamer zu rudern, so dass sich alle reinhängen können, die Beine schieben können und nicht wieder andere Akzente dazwischenfunken und man auseinanderkommt, wie im Vorlauf.

Für sie als Mannschaft sei diese “beste Leistung seit Tokio”, die sensationellen 1:20 Minuten auf den ersten 500 Metern, eben keine Überraschung 
gewesen, sondern das, was in der Vorbereitung und auch in den letzten Tagen im Training da war. Das ginge mit Mattes mindestens genauso gut. Darum sei es keine Frage: Wenn er fit ist, sitzt er am Samstag wieder auf Schlag.

Steuermann Jonas Wiesen: „Die Leistung heute hat sich endlich mit dem gedeckt, was wir uns im Training seit dem Weltcup in Poznan erarbeitet haben. Es war eine Teamleistung, obwohl wir vorher so viel Stress hatten. Unsere Aufgabe im Finale wird sein, das zu wiederholen und noch ein paar Prozent drauf zupacken. Dann würden wir uns in eine Position bringen, aus der wir etwas erreichen können.“

Für Julius Christ war es keine große Eingewöhnung, sagte er, denn sie rudern in Dortmund alle den gleichen Stil und im Training sei er schon öfter mal mit gerudert. Er habe ja am Freitag sein B-Finale, da wäre er am Samstag eh nicht mehr der Frischeste. Trainerin Sabine Tschäge: „So einen Anruf (wie den von Mattes) möchte man am frühen Morgen nicht bekommen. Wir sind mit Torben (Johannesen) schon auf Schlag gefahren und wussten, dass das funktioniert.

Wir wären gerne mit Jasper (Angl) gefahren, aber das war aufgrund der Akkreditierungsregeln nicht möglich. Julius (Christ) ist dann zwei Busse später nach gekommen. Die Situation haben wir als Mannschaft super gelöst. Wir sind das Rennen sehr entschlossen angegangen und haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Mal sehen, wie es Mattes geht und dann werden wir Richtung Finale entscheiden. Michael Buchheit

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