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Achter erkämpft Platz vier

Ende einer Berg-und-Tal-Fahrt

Der Deutschlandachter hat eine Saison, die einer Berg-und-Tal-Fahrt glich, mit dem vierten Platz bei Olympia in Paris beendet. Mehr war realistisch gesehen kaum drin. Aber auch nicht weniger. Jetzt geht es weiter, wie genau, weiß noch keiner. 

Der Hoffnungslauf wurde zum Schicksalslauf für das Boot. Scheidet der Achter aus, ist alles aus. Kommt er weiter, geht das Leiden eine Runde weiter. Oder? Mais, no! Die Umsetzung auf Schlag ist nicht ungewohnt, die hatte es im Training auch schon öfter gegeben. Anders als beim direkten Gegner Italien, deren Schlagmann ebenfalls mit Magen-Darm ausfällt, damit aber den Achter schwer benachteiligt.

Der Deutschlandachter konnte im Finale von Paris den Rückstand auf die Spitze verkürzen. Foto: J. Kowacic

Da Italien schon nach den ersten 500 Metern "rückwärts fährt" und Deutschland die schnellsten 500 Meter der Regatta bis dato hinlegt und auch bei 1.000 m noch vor den Niederlanden führt, ist die Qualifikation gerettet, die Befürchtungen verflogen und die Hoffnungen kehren zurück. Für das Finale kehrt auch Mattes Schönherr ins Boot zurück, aber in den Bug. Nochmal will man auf Schlag nicht umsetzen. Im Bug rudert es sich anders, erklärt er, man hat andere Aufgaben, muss Stabilität bringen. Auch ist die Perspektive ganz anders, denn wenn die Gegner wegziehen, hat man auf Schlag gleiche eine Leere neben sich, fährt gefühlt schwer hinterher. Im Bug ist man länger im Boot der Gegner, sieht alles vor sich.

Und so ist es für ihn ein toller Anblick, wie man mit den Briten, Niederländern und den USA vorne rausgeht, mitgeht und wieder eine gute, erste Streckenhälfte hinlegt. Auch wenn Torben Johannesen meint, im Hoffnungslauf wären die ersten beiden 500-Meter-Abschnitte noch besser gewesen. In jedem Fall bringt man seine volle Trainingsleistung im Finale auf’s Wasser.

Holland greift vom Start weg an, legt sich vor den Goldfavoriten Großbritannien, vor die sprintstarke USA, führt durch die 1.000 Meter. Doch das deutsche Boot bleibt dran. Die USA ist nur eine halbe Länge vor, Australien und Rumänien haben sie deutlich hinter sich. Auf den dritten 500 Metern wollten sie ihr Meisterstück machen, Bronze gewinnen, angreifen statt abfallen. All in.

Doch genau, als die vorderen drei nochmal anziehen, knicken sie ein. Den vierten Platz bringen sie noch ins Ziel, nur noch 7 Sekunden hinter Gold, immerhin. Die Niederlande wird von den Briten überholt, die all in gehen. Später muss die halbe englische Mannschaft aus dem Boot getragen werden. Gold! Aber ein tolles Ding von den Niederlanden. Die USA als Mitfavorit hatten keinen Zugriff auf das Rennen, auch nicht mehr im Sprint, fahren eine Länge dahinter auf Bronze. Rumänien kommt nochmal auf, wird Fünfter, Australien gibt sich auf, Letzter.

Die Stimmung im Achter ist alles andere als gelöst. Der Vierte Platz ist für manche eine Errungenschaft, besser als 2023 (Platz 5), mehr als erhofft nach der Saison, nach der Regatta. Nein, mehr wäre nicht drin gewesen, sagen sie alle. Torben Johannesen muss schwer enttäuscht erkennen, dass sie das Tempo der
Weltspitze auf der zweiten Streckenhälfte einfach nicht mitgehen können, keine Chance.

Die Ansätze sind gut, die neuen, die jungen Achterruderer werden immer besser. Aber es dauert eben. Der Top-Speed ist wieder da, wie früher, aber der Streckenschlag muss mehr geübt werden, da fehlten einfach ein paar tausend Kilometer. Es waren eben nur drei Jahre nach Tokio. Die Fehler wurden früher gemacht. Der katastrophale Umbruch, zu viele hätten aufgehört, dazu noch der Steuermann. Da hätte man schon anders handeln müssen. Jetzt sieht er und auch Mattes Schönherr den viel beschworenen Fortschritt. Adieu Paris 2024, let’s go LA 2028. Michael Buchheit

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