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Olli Zeidler stürmt den Olymp

Oliver Zeidler hat im Finale von Paris den Olymp gestürmt, hat es allen gezeigt inklusive sich selbst. Dabei hat er wirklich alle beeindruckt, auch die, die mit Rudern sonst eher weniger am Hut haben. Das Finale war eine wahre Triumphfahrt. 

Vorne raus fuhr Zeidler, wie immer, mit sehr hoher Schlagzahl, blieb dann drauf und machte nach der Startphase im Sprintmodus schnell Boden gut. Über die 250-Meter-Marke übernimmt er schon die Führung und baut sie aus. Auf dem Weg zur 1.000-Meter-Marke versucht sein Hauptkonkurrent Simon van Dorp, ranzukommen, aber trotz sichtlicher Bemühungen schafft er es nicht, verzweifelt schier.

Oliver Zeidler hält das Ziel seiner Träume in der Hand. Foto: J. Kowacic

Oliver Zeidler sieht das, prüft seinen Bord-Computer und stellt fest, dass sie 2 Sekunden langsamer sind als geplant. Das heißt für ihn, van Dorp ist nicht schnell und kann nicht zulegen. Sofort legt er deshalb einen Gang zu und setz sich weiter ab. Das Feld arbeitet sich durch die 1.500-Meter-Marke an den Niederländer ran. Zeidler legt nach, wird aktiver, geht hoch und legt Länge um Länge zwischen sich und den Verfolger, bis zur Ziellinie werden es fast drei Längen, eine Demonstration. Wer hätte das gedacht.

Neuseeland und Griechenland sind nur noch eineinhalb Längen hinter van Dorp, AIN kommt von 6 Sekunden Rückstand bei 1.500 Metern wieder ran und greift nach den Medaillen. Zeidler ist längst nicht mehr aufzuhalten, während Thomas Mackintosh (Neuseeland) die Kraft ausgeht. Er wird von AIN und auch noch Ntouskos (Griechenland) überholt. Auch van Dorp bekommt schwere Beine, kann seine Silbermedaille nicht mehr verteidigen. AIN überholt ihn von fast drei Längen Rückstand auf der Strecke.

Ungewöhnlich, wie viele Skuller in diesem Rennen über ihre Grenzen gegangen sind. Van Dorp sagt nach dem Rennen, er habe sich beim Aufstehen wie an seinem Geburtstag gefühlt, alles schien für ihn zu laufen. Das Rennplan lief gut, aber als er nach 1.500 Metern wie geplant angreifen wollten, haben seine Beine nicht mitgemacht, er hätte einfach nicht die Leistung gehabt. Er halte Oliver Zeidler nicht für unbesiegbar, aber an diesem Tag war für ihn einfach
nicht mehr drin.

Yauheni Zalaty (AIN) hatte für eine Verschiebung des Rennens gesorgt. Sein Bus vom Olympischen Dorf zur Strecke war kaputt gegangen. Ein Horror. Möglicherweise hat er sich deshalb so beeilt, er wollte nicht noch mal zu spät kommen. Oliver Zeidler hatte in der Vorbereitung Wert darauf gelegt, dass er in der Lage ist, alle zwei Tage ein hartes Rennen zu fahren und im vierten Rennen sein Bestes. Daher war er auch noch zur Henley Regatta gefahren, wo Simon van Dorp ein längeres Trainingslager vorzog.

Aber diese vier Rennen über 2.000 Meter waren besonders bei dem heiß-schwülen Klima eine besondere physische Herausforderung, sagt Zeidler. Und dass in diesem vierten Rennen die Gegner so ungewöhnlich stark einbrachen, kann wohl kaum ein Zufall sein. Genau dafür hat Oliver Zeidler sich mit seinem Trainer und Vater Heino Zeidler vorbereitet. Toutes nos félicitations!

Nach dem Finale feiern im Deutschen Haus? Nur, wenn er auch mit seinen Freunden und Verwandten dort reingelassen werde. Erstaunlich aber wahr, das ist mehr als fraglich. Das deutsche Haus in Paris 2024 ist, vielleicht auch mangels erwarteter Goldmedaillengewinner, voll auf Bundes- und Sportpolitik eingerichtet. Es geht um die deutsche Olympiabewerbung für 2044 und die Bundesmittel dafür. Noch nie war so viel Politik bei Olympia zu Gast. Mehrere Ministerpräsidenten, Bundeskanzler mehrmals, Innenministerin, Sportausschuss - täglich. Michael Buchheit

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