NS-Vergangenheit bei der Frankfurter RG Germania
Kirsten Schwartzkopff wurde unabhängig von der Studie von Professor Bernd Wedemeyer (im Auftrag des DRV) von der Frankfurter Rudergesellschaft Germania beauftragt, den Umgang des Vereins mit Mitgliedern jüdischen Glaubens während der Zeit des Nationalsozialismus zu recherchieren. Bei ihrer Recherche stieß Frau Schwartzkopff auf diverse Lebensläufe. Einer davon ist der des Kaufmanns Gustav Ippen, der 1932 zur Germania stieß.
Das Germania-Mitglied Gustav Jan Karel Ippen wurde am 21. November 1900 in Blansko (dt.: Blanz – heute: Tschechien) geboren. Gustav hatte eine ältere Schwester Františka (Franziska), die am 6. August 1899 in Blansko geboren wurde. Als Konfession der Familie ist im Taufbuch der Gemeinde Blanz „römisch-katholisch“ angegeben. Gustav Ippen wurde katholisch getauft und erzogen.

Die Frankfurter RG Germania setzt sich aktiv mit ihrer Geschichte auseinander. Foto: B. Langbehn
Beide Eltern stammten aus jüdischen Herkunftsfamilien. Der Großvater väterlicherseits Moritz Ippen stammte aus Rokytno bei Pardubice (dt.: Pardubitz), die Großmutter Theresie Ippen, geb. Weiß, aus Litoměřice (dt.: Leitmeritz). Ippens Geburtsort Blansko liegt 18 Kilometer nördlich von Brünn und gehört heute zur „Südmährische Region“ in Tschechien. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte Blanz zur österreichisch-ungarischen k. u. k. Doppelmonarchie. Daher besaß Familie Ippen die österreichische Staatsbürgerschaft.
Im Oktober 1932 berichtete die Frankfurter Rudergesellschaft Germania über die Aufnahme von Gustav Ippen als neues Mitglied. Wo Ippen, den seine Ruderkameraden „Gustel“ nennen, zuvor gerudert hat, lässt sich in den erhaltenen Quellen nicht recherchieren. Da er zeitnah als aktiver Rennruderer mit rennerfahrenen „Alten Herren“ in Erscheinung trat, muss er bereits zuvor ein erfahrener Ruderer gewesen sein. Zwischen seinem Eintritt 1932 und seinem Verlassen der Stadt Frankfurt im Frühjahr 1938 findet man Gustav Ippen regelmäßig in den monatlich erscheinenden Nachrichten der Germania als Mitglied erfolgreicher Mannschaften in AH-Rennen. Trotz des bereits im Mai 1933 vom Deutschen Ruderverband unter der Führung seines rechtsnationalen Präsidenten Heinrich Pauli erlassenen „Arier-Paragraphen startete Gustel Ippen bis 1937 für die Germania und wurde auch in den 1935 und 1937 erschienenen Mitgliederverzeichnissen als „Kaufmann unter der Adresse Beethovenstraße 19 geführt. Dort wohnte auch sein Cousin Karl Ippen.




