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Atlantik-Regatta läuft

All in! Rudern, was Kräfte und Material hergeben

Schwarz hängt die Nacht über dem kleinen Hafen San Sebastian auf La Gomera. Am Steg der Westmole herrscht an diesem sehr frühen Mittwochmorgen emsiges Treiben: 110 Ruderer in 38 Teams aus 19 Nationen treffen letzte Vorbereitungen für ihre Atlantik-Überquerung, der "World's Toughest Row - Atlantic". Dauer der Challenge: 35 bis 90 Tage.

Vier deutsche Teilnehmer sind dabei. Martin Stengele im Einer, Gregor Wacker mit der Kanadierin Sabrina Simpson im Zweier und Claudia Dreibrodt mit Ernst Kujer im Zweier. Sie alle legen vor dem Start Lifebelts und Schwimmwesten bereit, prüfen Steuerleinen und Skulls. Ihr nächster Stopp ist Antigua. 3.000 Seemeilen liegen vor ihnen – für viele ein Lebenstraum, in den sie in den vergangenen Jahren viel Zeit und Geld investiert haben.

Ein letzter Gruß von Gregor Wacker: Die Challenge über 3.000 Seemeilen hat begonnen. Foto: F. Schaefer

Die Luft flirrt vor konzentrierter Anspannung. Sicherheits-Manger Ian Couch und Fraser Mowlem besuchen alle Boote, sprechen nochmal mit den Ruderern über die letzten Wetterinformationen aus dem Meeting vor einer dreiviertel Stunde. Sie erläutern ein weiteres Mal den Plan für die nächsten drei Tage auf dem Atlantik: Wind mit fünf Windstärken aus Nordnordost unterstützt die Boote auf ihrem Weg Richtung Süden. Das ist ideal. In drei Tagen sieht das dann ganz anders aus. Der Wind lässt nach, dreht auf Südwest. Das bedeutet, dass die Boote, die noch auf dem Weg in den Passat sind, zurückgetrieben werden. Also: All in! Rudern, was Kräfte und Material hergeben.

„15 Minutes“, ruft Ian Couch. Etwa 100 Familienangehörige und Freunde müssen jetzt den Steg verlassen. Sie sammeln sich auf der Mole mit Fahnen und Tröten in den Händen. Vielen ist anzusehen, dass der bevorstehende Start von Vätern, Müttern, Töchtern, Brüdern, Freundinnen und Freunden in die Wildnis Atlantik sie mitnimmt. Tränen schwimmen in den Augen. Und dann ist da auch immer wieder die Freude, Teil eines außergewöhnlichen Projekts zu sein. Arm in Arm stehen sie da und warten auf den erlösenden Startschuss.

Die deutschen Teilnehmer vor dem Start: V. li. Ernst Kujer, Claudia Dreibrodt, rudersport-Reporterin Bettina Schaefer (rudert nicht mit), Gregor Wacker und Martin Stengele. Foto: F. Schaefer

Eine Minute nach Sonnenaufgang um 7.50 Uhr ist es endlich so weit: Das erste Boot „Power of one“ – ein Fünfer aus Irland in einer R45 – macht sich auf den Weg. Die Herren, alle über 50 Jahre alt (sic!), schlängeln sich aus der Bootsbucht heraus und rudern unter tosendem Applaus Richtung Startlinie. Alle zwei Minuten legen jetzt die Boote ab. Mit jedem Mal beginnt ein Lebenstraum Wirklichkeit zu werden.

So auch für Claudia Dreibrodt und Ernst Kujer um 08.47 Uhr in einer R25, Team „Alpine Rowers“ aus Valley am Tegernsee. 2021 haben sie sich angemeldet. Jetzt überqueren sie die Startlinie: „In einer Krisensituation fokussieren wir uns, analysieren die Situation und überlegen, was für Optionen wir haben“, sagen sie vor dem Start. Angst haben sie vor der Herausforderung Atlantik nicht. Es ist eher Respekt, gepaart mit Freude an Herausforderung und Abenteuer.

Kurz danach beginnt für den Doppelzweier „Black Forest Rowers“ die erste von zirka 3.000 Seemeilen: „Wir wissen nicht, was da draußen ist“, sagt Gregor Wacker, ehemaliger KSK-Soldat. Deswegen halten seine Co-Ruderin Sabrina Simpson aus Kanada und er sich auch damit zurück, zu prognostizieren, wie lange sie für die zirka 5.000 Kilometer lange Strecke brauchen. Tag für Tag, von Situation zu Situation gelte es zu entscheiden.

Ebenfalls unter deutscher Flagge rudert Martin Stengele, Team „All 4 One“ in einer R10. Er ist der erste Ruderer aus Deutschland, der die Strecke solo meistern will. Vier Jahre hat er sich darauf vorbereitet.  „Three, two, one“, ruft er zusammen mit Safty Manager Ian Coach. Dann legt er ab. Kurz nach dem Passieren der Startlinie fixiert er seine Skulls auf den Beinen und formt mit beiden Händen ein Herz und lacht. Alles klar, Martin! Dir und allen anderen ein guter Start. Bettina Schaefer

Wer das Rennen verfolgen will: Im App-store kann die App yb race gratis heruntergeladen werden. All vier Stunden wird der Verlauf aktualisiert.

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