Schwieriger Weg zur Einigung
Der Landesruderverband Baden-Württemberg feierte sein 50. Jubiläum. Die einzelnen Verbände Baden Nord, Baden Süd und Württemberg sind freilich schon älter. Einigkeit herrscht aber erst seit 50 Jahren. Und der Weg dahin war steinig, oder um in der Ruderersprache zu bleiben: Es waren einige Untiefen zu umschiffen.
Zum Festakt kehrte der Landesruderverband Baden-Württemberg dorthin zurück, wo seine Geschichte einst begann: zum Bootshaus des Stuttgart-Cannstatter Ruderclubs. Hier hatten sich am 16. November 1975 Vertreter von Rudervereinen aus Baden Nord, Baden Süd und Württemberg den gemeinsamen Landesruderverband gegründet. Zum 1. Januar 1976 trat die Fusion in Kraft – gegen manch lautstarken Gegenwind, mit großem Weitblick und der festen Überzeugung, dass der Rudersport in Baden-Württemberg eine starke gemeinsame Stimme braucht.

Acht Mitglieder, die bei der Gründungsversammlung dabei waren, kamen zum Festakt in Cannstatt. Foto: LRVBW
Die aktuelle Vorsitzende des LRVBW, Heike Breitenbücher, erörterte die Frage, wie ein Verband handeln muss, damit er auch im Jahr 2075 noch eine starke Stimme des Rudersports ist. Breitenbücher betonte die Bedeutung der Vereine als Herz des Systems, die Rolle des Landesverbandes als verbindendes strategisches Element zwischen Spitzenverband, Sportbünden und Basis. „Der LRVBW ist ein verlässlicher, sichtbarer und moderner Verband mit starken Bindungen in alle Richtungen: Zu den Vereinen, zu den drei Sportbünden, mit denen wir auch nach 50 Jahren nach der Fusion ein konstruktives und partnerschaftliches Verhältnis pflegen und zum Landessportverband Baden-Württemberg, der unseren Nachwuchsleistungssport nachhaltig unterstützt.“ Der Landesruderverband sei mehr denn je wichtiger Ankerpunkt für Nachwuchsförderung, Trainerbildung, politische Interessenvertretung und sorge für gute Rahmenbedingungen im Breiten- und Leistungssport. „Ein Verband hält zusammen, was sonst auseinanderfallen würde.“
Als Ehrengäste waren beim Festakt in Cannstatt DRV-Präsident Moritz Petri, Andreas Felchle, Präsident des Württembergischen Landessportbundes, LRVBW- Ehrenvorsitzender Bernd Kuhn sowie die Ehrenmitglieder Dr. Dieter Offterdinger, Prof. Dr. Jürgen Steinacker, Dietrich Besch und Uwe Gerstenmaier.
Ehrung der Teilnehmer der Gründungsversammlung
Acht Mitglieder, die schon bei der Gründungsversammlung dabei waren, kamen zum Festakt 50 Jahre später und wurden entsprechend geehrt: Bernd Kuhn, Klaus-Dietrich Günther (Epfel, damals Konstanz, dann langjähriger Landestrainer), Peter Hacker (Ruderclub Rastatt), Peter Henes (Lauffener Ruderclub „Neckar“), Karlheinz Wille (Ruderclub Neptun Neckarelz), Hans Wittmann (Ruderclub Rheinfelden), Dieter Kromer (Breisacher Ruderverein) und Dieter Steigmann (Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben). Irmgard König kam für ihren verstorbenen Vater Erich Hellenbroich, der vor 50 Jahren Vorsitzender des Ruderverbandes Baden-Nord war.
Demokratie, Sport und Verantwortung
WLSB-Präsident Andreas Felchle betonte die Rolle des Vereinssports als Lernort für Demokratie, Gemeinsinn und Verantwortung. Mit klaren Worten warnte er davor, dass gesellschaftlicher Egoismus und Verantwortungsflucht die Grundlagen der Demokratie gefährden: „Dabei haben wir die allermeisten Vorteile überhaupt nur, weil wir die so wunderbare freiheitlich-demokratische Grundordnung haben, eine Verfassung, die uns so viele Rechte und Möglichkeiten einräumt. Aber halt auch Verpflichtungen auferlegt, Verantwortung überträgt.“ Felchle hob hervor, dass Sportvereine zu den letzten echten Orten des Miteinanders gehören – getragen von Menschen, die für andere Verantwortung übernehmen. Seine Botschaft: Ehrenamt hat Zukunft, weil es auch uns selbst nützt. Wer am Erfolg teilhaben will, muss mitmachen.
DRV-Präsident Moritz Petri betonte die enge Verbindung zwischen Breiten- und Leistungssport im Rudern. „Rudern ist mehr als ein Sport – es ist Gemeinschaft, Bewegung, Herausforderung und Leidenschaft“, so Petri. Beide Bereiche seien keine Gegensätze, sondern „zwei eng miteinander verbundene Säulen, die sich gegenseitig stärken“. Der Breitensport bilde dabei das Fundament: In den Vereinen engagierten sich täglich tausende Ehrenamtliche und Trainer, die neue Mitglieder gewinnen und Talente hervorbringen. „Ohne die Breite kein Gipfel“, unterstreicht Petri. Gleichzeitig sei der Spitzenbereich ein wichtiger Motor der Inspiration. Erfolgreiche Athletinnen und Athleten begeisterten Kinder und Jugendliche, brächten mediale Aufmerksamkeit und stärkten damit die gesamte Sportart.
Petri hob außerdem die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur wie Bootshäusern, Stegen oder Trainerteams hervor: „Dieses Miteinander schafft Begegnung, Lernen und ein starkes Wir-Gefühl.“ Herausforderungen wie der Spagat zwischen breitem Angebot und leistungsorientierter Förderung müssten jedoch aktiv gestaltet werden. Als gelungenes Beispiel nennt er die modernisierte Ruderakademie Ratzeburg, die Bundesstützpunkt und Ausbildungszentrum zugleich ist. „Sie steht für die perfekte Symbiose von Breiten- und Leistungssport.“ Sein Fazit: „Breite und Spitze sind Partner. Nur gemeinsam bleiben wir auf Kurs.“
Bewegte Anfangsphase
Bernd Kuhn schilderte die bewegte Anfangsphase des Landesruderverbandes, dessen Gründung keineswegs selbstverständlich war. „Der Anfang war wirklich nicht einfach", erinnert sich Kuhn. Zwischen 1973 und 1975 trafen sich die Vorsitzenden der drei damaligen Regionalverbände – Württemberg, Nordbaden und Südbaden – insgesamt siebenmal, um aus drei Strukturen einen gemeinsamen Verband zu formen.
„Für viele war es schwer, auf Liebgewordenes zu verzichten“, so Kuhn. Dennoch gelang es, Ausgleich zu schaffen und eine gemeinsame Satzung zu entwickeln. Zur Gründungsversammlung im Bootshaus des Stuttgart-Cannstatter RC kamen 36 von 38 Vereinen – und alle stimmten für den Zusammenschluss. Mit Gerd Wolf als erstem Vorsitzenden beginne, so Kuhn, „die eigentliche Arbeit – und die war anfangs holpriger, als uns lieb war“.
Besonders herausfordernd war die finanzielle Struktur: Die drei Landessportbünde zahlten ihre Zuschüsse weiterhin getrennt aus, eine gemeinsame Kasse war unmöglich. „Eine Herkulesaufgabe für unseren Schatzmeister“, wie Kuhn betonte. Auch der Umgang mit Ressourcen – etwa den vereinseigenen Booten des Badischen Ruderverbandes Nord – führte zu intensiven Diskussionen, die sich erst legten, als der neue Verband eigene Boote anschaffte. Mit der Zeit aber wuchsen die Einzelverbände zusammen. BL





