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„Ein riesiger Schock für uns“

Theis Hagemeister im Interview

Am Mittwoch beendete das Team Deutschland-Achter das Trainingslager in Lago Azul (Portugal). Es war ein denkwürdiges Trainingslager, dass den Ruderern nicht nur im Boot einiges abverlangte. Im Interview blickt Theis Hagemeister auf den verheerenden Sturm, den die Sportler dort erlebt haben, und die entstandenen Schäden.

Wie hast du die Nacht des Sturms „Kristin“ und den Morgen danach erlebt?

"Wir haben am Abend zuvor gehört, dass es einen Sturm geben soll. Das kennen wir hier, deswegen haben wir alles gesichert, festgemacht und stabilisiert. Nachts bin ich dann einmal wegen eines Geräuschs kurz wachgeworden, aber habe mir Oropax reingemacht und weitergeschlafen. Andere waren wach und haben gefilmt, wie die Stühle über den Balkon geflogen sind. Nach dem Aufstehen habe ich dann als erstes die umgefallenen Bäume gesehen und direkt danach abgebrochene Bootsteile – die Schweißnähte vom Bootslager waren gebrochen. Das war ein riesiger Schock für uns. Zusätzlich waren wir komplett abgeschottet, hatten kein Netz und kein Internet. Wir mussten hoch auf einen Berg, um Internet zu kriegen."

Theis Hagemeister berichtet über das Trainingslager mit dem schweren Sturm in Portugal. Archiv-Foto: MeinRuderbild/D. Seyb

Wie habt ihr reagiert?

"Wir haben als erstes alles gesichtet, dokumentiert und fotografiert. Wir haben dann alles weggeräumt soweit wir konnten und angeboten, oben im Dorf zu helfen. Da haben wir Bäume und Kleinigkeiten aus dem Weg geschafft. Währenddessen hat sich das Orgateam darum gekümmert, neue Boote zu beschaffen, denn es gab ja einige Schäden."

Musstet ihr deswegen mit dem Training pausieren?

"Nein, wir sind morgens noch Ergo gefahren und nachmittags mit den verbliebenen Booten raus. Wir sind beim Training drangeblieben und alle nochmal enger zusammengerückt."

Wie lief das Trainingslager bis dahin?

"Wettertechnisch hatten wir nicht viel Glück. Wir hatten bis dahin fast nur Regen und so ist es auch weiterhin – eigentlich waren es nur zwei trockene Einheiten. Zwei Zweier sind sogar fast untergegangen, weil sie voll mit Wasser gelaufen sind. Das ist schon eine Ausnahmesituation. Es gibt hier einige Herausforderungen, aber das härtet uns nur ab. Wir ziehen das Trainingslager gut durch und sind auch mit der Zweierbildung gut vorangekommen. Montags fahren wir wie geplant immer Rennen – jetzt halt nicht mehr direkt gegeneinander, sondern im Einzelzeitfahren, weil noch zu viel Holz auf dem Wasser schwimmt."

Hat das Unwetter auch Eure Unterkunft beeinträchtigt?

"Im Hotel lief zunächst nur das Notstromaggregat. Das Frühstück haben wir uns nach dem Sturm aus dem, was wir noch dahatten, selbst zusammengesucht. Gut, dass uns unser Partner Davert einige seiner Produkte schon im Vorfeld zugeschickt hatte. Mittags und abends hatten die Mitarbeiter dann die Möglichkeit, uns mit dem Gaskocher etwas zuzubereiten. Seit gestern gibt es wieder Strom. Das waren ziemlich abenteuerliche Tage, aber man darf nicht vergessen: Uns geht es gut, und die Hotelmitarbeiter legen sich hier für uns voll ins Zeug. Dafür sind wir sehr dankbar. Bei manchem Hotelmitarbeiter sind Teile des Hauses zerstört, teils sind Regionen immer noch ohne Strom und Wasser. Von daher haben wir auch Glück gehabt." CO

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