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Zwischen Wende, Weltklasse und dem Leben danach

Das bewegte Leben der Olympiasiegerin Kathrin Boron

Der Maschsee liegt still an diesem Morgen. Spiegelglatt das Wasser, kaum eine Bewegung, nur ein leichter Hauch von Frühnebel. Es sind diese Momente, sagt Kathrin Boron, in denen es sie noch heute reizt. „Wenn ich hier früh mit dem Fahrrad vorbeifahre – das zieht schon.“ Wieder ins Boot steigen? Der Gedanke ist da. Die Zeit dafür eher nicht.

Boron, 56 Jahre alt, Olympiasiegerin, Weltmeisterin, die erfolgreichste Ruderin Deutschlands, sitzt heute nicht mehr oft im Boot. Ihr Alltag spielt sich inzwischen in Hannover ab, am Olympiastützpunkt. Sport gehört weiterhin dazu, aber anders. „Ich gehe noch regelmäßig aufs Ergometer“, sagt sie und lacht ein wenig. „Auch mit Spaß! Das ist jetzt nicht mehr Pflicht.“ Es ist diese Mischung aus Disziplin und Pragmatismus, die sich durch ihr Leben zieht. Wenn sie eine Dreiviertelstunde Zeit hat, dann nutzt sie sie effizient. „Da setze ich mich lieber aufs Ergo als aufs Fahrrad oder ins Boot, weil ich weiß, dass es meinem Körper guttut.“

Kathrin Boron in ihrem Büro am Olympiastützpunkt in Hannover. Foto: L. Gärtner

Es ist ein Prinzip, das sie schon früh entwickelt hat. Energie nur in die Dinge investieren, die man beeinflussen kann. Alles andere? Loslassen. „Wenn ich erkenne, dass ich keinen Einfluss habe, dann spare ich mir die Kraft.“ Ein Satz, der wie ein Leitmotiv über ihrer Karriere steht. Und vielleicht auch erklärt, warum sie über so viele Jahre zur Weltspitze gehörte.

Doch auf Anfang. Boron kam auf eher ungewöhnlichem Weg zum Rudern. Eigentlich begann alles mit der Leichtathletik: Mit acht Jahren ging sie mit einer Freundin ins Trainingszentrum, einfach aus Neugier. Schnell entwickelte sie Freude am Sport und trainierte täglich. Doch als sie mit 13 Jahren den Absagebrief für die Sportschule in der Leichtathletik erhielt, war die Trauer groß. Wieder kam ihr Wesen zum Zug und sie erinnerte sich an die Ruder-Sichtungen in der Schule. Sie meldete sich an und begann wenige Tage vor Schulbeginn an der Kinder- und Jugendsportschule Potsdam in einer Ruderklasse. Gleich zu Beginn erlebte sie die ersten spektakulären Momente: Beim Einstieg ins Boot fiel sie prompt ins Wasser. Dennoch war sie sofort begeistert und wusste, dass sie weitermachen wollte. Der Olympische Traum war geboren. Luisa Gärtner

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