Virtuelles Rudermuseum öffnet Ende des Jahres
Im Frühjahr wurde der Ehrenvorsitzende des Deutschen Ruderverbandes, Siegfried Kaidel, 75 Jahre alt. Vor knapp fünf Jahren hat er sein Amt als Vorsitzender des DRV auf dem Rudertag in Schweinfurt an Moritz Petri übergeben – damals beide noch im Ehrenamt. Wir fragten, wie aktiv er noch auf dem Wasser und im Verband arbeitet.
Herr Kaidel, hat sich Ihr Leben ohne das große Ehrenamt verändert? Kommen Sie wieder mehr zum Rudern?
Ja, und zwar sehr viel. Ich bin außer im DRV auch noch immer im Präsidium des Bayerischen Ruderverbands und in meinem Verein, dem Schweinfurter Ruder-Club Franken, aktiv, aber ich rudere viermal die Woche. Im vergangenen Jahr habe ich wieder an Wettkämpfen teilgenommen, unter anderem bin ich Bayerischer Meister geworden. Rumsitzen und mich langweilen ist nichts für mich. Es ist schön, das alte Ursprungshobby auszuüben, ohne den großen Zwang und ohne Druck, irgendwo präsent sein zu müssen.

Siegfried Kaidel ist im DRV noch Vorsitzender des Historischen Arbeitskreises. Foto: MeinRuderbild/D. Seyb
Haben Sie das vermisst oder haben Sie sich das auch während Ihrer Zeit als Verbandsvorsitzender erhalten?
Ja, aber nur in geringem Maße. Als ich 2001 als stellvertretender Vorsitzender und Schatzmeister beim DRV eingestiegen bin, war ich noch bei den FISA-Masters aktiv, habe dort mit meinen Freunden aus Leipzig, wo ich beruflich eine Zeit lang war, auch gewonnen. Danach habe ich immer versucht, wenigstens mittwochs da zu sein, weil da immer ein Achter auf Wasser gegangen ist. Aber es war oft nicht möglich, dem Sport nachzugehen.
Sie sind noch Vorsitzender des historischen Arbeitskreises. Hat sich Ihr Leben sonst noch irgendwie dadurch verändert, dass Sie (etwas) mehr Zeit haben?
Ein Teil meiner ehrenamtlichen Arbeit nimmt der historische Arbeitskreis des DRV in Anspruch, der sehr aktiv ist. Wir haben die nationalsozialistische Vergangenheit des DRV in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Dr. Wedemeyer-Kolwe vom Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte aufgearbeitet und sind damit einer der ersten Verbände, der sich diesem Thema gestellt hat. Wir haben über 500 Festschriften der Vereine und sämtliche Ausgaben des „Wassersport“ und „rudersport“ des DRV und DRSV digitalisiert und im Archiv veröffentlicht. Damit sind diese Dokumente auf unserer Website für jeden einsehbar. Zum Jahresende wollen wir das „das virtuelle Rudermuseum“ eröffnen. Dort wird es unter anderem einen Ruder-Kinosaal mit historischen Filmen aus den 60er Jahren und einen Lesesaal geben, in dem man digital stöbern kann.




