Kaum langsamer als Ruderer der offenen Klasse
„Die Leichten sind einfach zu schnell geworden! Sie haben sich selbst abgeschafft, man braucht keine Leichtgewichtsklasse mehr. Es ist vorbei.“ So, oder so ähnlich formulieren es einige im deutschen Rudersport. Hintergrund ist dabei, dass die Weltbestzeiten der Leichten in den olympischen Bootsklassen, 4- und 2x, „nur“ zirka 6 Sekunden langsamer sind, als die in der offenen Klasse.
Wohlgemerkt: Weltbestzeiten sind nicht mit direkten Vergleichen zu verwechseln, aber es stellt sich die Frage nach einem „hinreichenden“ Leistungsunterschied. Braucht man für „nur" 6 Sekunden eine separate Leistungsklasse? Nur zum Vergleich, die besten USA College-Achter sind zirka 4 Sekunden langsamer als die Weltbestzeit des Deutschlandachters, Tendenz schrumpfend. Aber selbst, wenn die College-Achter schneller wären, es täte nichts zur Sache, denn für den Rudersport sind beide Formate großartig.

Die leichte Doppelzweier Australiens gelang in Barcelona 1992 der wohl größte Erfolg aller Zeiten. Foto: Archiv
In der Logik der Weltmeisterschaften müsste die Lgw.-Klasse auch nicht „stören“, denn jeder Leichte kann ja in der offenen Klasse starten und startet also immer freiwillig bei den Leichten. Und tatsächlich rudern die Leichten in einer Regatta nur dann schneller im Zeitvergleich als die Schweren, wenn die Bedingungen ungleich sind, oder die Schweren eben nicht auf dem gleichen Niveau gerudert sind. In jedem Fall gewinnt jeder nur in der Klasse, in der er startet.
Sollte man die Leichtgewichtsklasse abschaffen, wenn die Leichten auch in der offenen Klasse gewinnen können?
Schon immer haben „Leichte“ Medaillen oder auch Gold in der offenen Klasse gewonnen. Jüngstes und berühmtestes Beispiel, Stephanos Ntouskos (GRE) - ehemaliger „Leichter“ noch in Rio 2016. In Tokio 2020 wurde er Olympiasieger im Einer und 2025 Weltmeister gegen Oliver Zeidler. International sieht man immer wieder „kleinere“ und „leichtere“ Ruderer, die konkurrenzfähig im Kleinboot mitrudern können und auch in die Medaillen fahren, wenigen gelingt dabei auch der Sprung in siegreiche Mannschaftsboote.
Bestes Beispiel dafür ist, wie so oft, die Niederlande, unser ruderischer Systemrivale und Nemesis. Der relativ größte Erfolg aller Zeiten von „Leichten“ in der offenen Klasse, war vielleicht die Goldmedaille des AUS 2x in Barcelona 1992. Michael Buchheit




