Interview mit Marc Weber (Männer-Doppelvierer)
Als wir uns mit Marc Weber zum Interview verabredeten, wollten wir zuerst über seinen (für manche) überraschenden Umzug von Hessen in die Provinz Schleswig-Holsteins sprechen. Dann kam der Weltcup in Sevilla und der überragende Sieg des deutschen Männer-Doppelvierer - mit Weber an Bord. Beim Weltcup in Luzern folgte ein dritter Platz.
rudersport: Herr Weber, herzlichen Glückwunsch zum Weltcup-Sieg mit dem Doppelvierer in Sevilla. Wie groß ist Ihre Freude?
Marc Weber: Noch immer riesig. Gerade diese unfassbar knappen Siege sind die schönsten. Wenn man sich gegenseitig fordert und am Ende dieses winzige Quäntchen vorn liegt. Und ganz ehrlich: Ich hatte mit diesem Erfolg nicht gerechnet. Jonas (Gelsen, d. Red.) und ich haben ja kaum Doppelvierer-Erfahrung.
Das Boot wurde völlig neuformiert. Zudem hat sich Ihre Position verändert. Im Doppelzweier mit Jonas Gelsen saßen Sie auf Schlag, im neuen Vierer rudern Sie nun als Bugmann.
Ich bin sehr froh, dass unsere Trainer Eric Johannesen und Francesco Fossi so entschieden haben. Ich bin ein großer Fan von Oles (Hohensee, d. Red.) Schlag, er hat das Boot super unter Kontrolle. Ich bin der Kleinste und Leichteste in unserer Crew. Zudem halte ich mich für einen guten Renntaktiker, da passt die Position.

Marc Weber (im Bug) jubelt über den Sieg beim Weltcup in Sevilla. Foto: MeinRuderbild/D. Seyb
Ungewohnt ist sie dennoch, oder?
Allerdings. Es fühlt sich so ein bisschen an, als wenn man auf der Waschmaschine sitzt. Gefühlt springt das Boot immer hoch und runter. Nach der zweiten Trainingseinheit habe ich Eric gefragt: „Sieht das sehr schlimm aus? Mache ich überhaupt etwas mit den anderen zusammen?“ Da hat er mich ungläubig angeschaut und nur gesagt: „Das Boot läuft doch gut.“ Und so langsam freunde ich mich mit der Position mehr und mehr an, mir macht das richtig Spaß.
Lassen Sie uns noch einmal zurückgehen zu den Spielen in Paris. Sie haben mit Jonas Gelsen im Doppelzweier das erhoffte Finale verpasst. Platz drei im B-Finale bedeutete den neunten Gesamtrang. Wie enttäuscht waren Sie?
Schon sehr. Die Weltcuprennen zuvor liefen viel besser. Entsprechend groß waren unsere Hoffnungen. Das hat schon wehgetan. Aber ich bin keiner, der lange über so etwas hadert. Den Kopf lange hängen zu lassen, bringt doch nichts. Wie heißt es so schön: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. Und aus den Fehlern lernen.
Welche waren das?
Im Rückblick haben wir den Saisonhöhepunkt falsch angesteuert. Das lag aber auch daran, dass wir uns relativ autark vorbereitet haben. Entsprechend oft mussten wir uns gegenüber dem Verband beweisen und haben sehr hart trainiert. Dadurch ist es mir nicht gelungen, mein Gewicht zu halten. Ich habe durch das sehr herausfordernde Training zu stark abgenommen, wog in Paris nur noch 83,5 Kilo, rund 4,5 Kilo unter meinem Idealgewicht. Ich weiß, dass das nach einem Luxusproblem klingt. Aber es ist schon sehr deprimierend, weil man gefühlt isst und isst und isst, bis einem irgendwann fast schlecht wird, und man trotzdem abnimmt.




