Umweg via Afrika scheint möglich
Die deutsche Leichtgewichtsruderin Natalie Weber hat einen Traum: Olympische Spiele 2028 in Los Angeles. Um dort zu starten, müsste sie als "Leichte" in die offene Klasse wechseln. Starten könnte sie auch für Ghana. Klingt einfach, ist aber kompliziert und das aus ganz verschiedenen Gründen.
Die in Deutschland geborene und aufgewachsene Weber sagt: „Ich bin die Tochter einer ghanaischen Mutter und eines deutschen Vaters, daher besitze ich seit meiner Geburt die Staatsbürgerschaft beider Länder“. Seit 2014 ruderte sie für den Koblenzer Rheinclub Rhenania. Derzeit kämpft die 24-Jährige mit einer ungewöhnlich hartnäckigen Serie von Infektionserkrankungen. Regatten auf hohem Niveau sind derzeit keine Option, weswegen sie aktuell nur leichtes Training absolviert, bis sie vollständig auskuriert ist. „Dann fange ich mit dem Aufbau quasi wieder bei Null an“, erzählt sie im Gespräch mit rudersport. „Wir planen im Moment nur kurzfristig“, peilt sie als nächste mögliche Regatta die Südwestdeutschen Meisterschaften in Trier an.

Natalie Weber war 2025 während ihres Studiums für Ghana im Weltcup am Start. Foto: MeinRuderbild/D. Seyb
In diesen Tagen trainiert Natalie Weber in Klagenfurt am Wörthersee bei ihrem Koblenzer Trainer Thomas Kornhoff, der dort eine Stelle als Landestrainer Kärntens angetreten hat. Das ist möglich, weil ihre Ausbildung zur Polizeikommissarin abgeschlossen ist und sich somit ein Zeitfenster ergab, sich auf das Training zu fokussieren – wenn die Gesundheit mitspielt.
International war Natalie 2021 und 2023 bei U23-Weltmeisterschaften für den DRV im Boot. 2021 gewann sie in Račice Silber im Leichtgewichts-Doppelvierer, zwei Jahre später wurde sie in Plovdiv Vierte im B-Finale der leichten Einer.
Ghanaer waren sofort begeistert
Danach wollte sie unbedingt weiterhin auf internationaler Ebene starten, musste die Kosten aber fortan tragen, da es keine Förderung vom Bund mehr gibt, seit die Leichtgewichte aus dem olympischen Programm gestrichen wurden. „Wir haben also beim ghanaischen Ruderverband angefragt, ob Interesse bestünde und ob sie mich unterstützen könnten. Sie waren sofort begeistert und sagten zu“, erzählt Weber. „Zuvor hatten wir alles versucht, einen Sponsor zu finden“ – jedoch erfolglos.




