Carlottas neue Karriere alias Chukwu
Carlotta Nwajide war eine der besten Ruderinnen Deutschlands. Stark auf dem Ergo, Vize-Weltmeisterin im Boot, bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 Medaillenkandidatin im Frauen-Doppelvierer, bis ein kapitaler Krebs sie tragisch ausbremste. Ein Knackpunkt im Leben der Wahl-Berlinerin, die fortan immer mehr begann, sich auf das zu fokussieren, was noch mehr Spaß macht als rudern.
Carlottas Leben spielte sich seit dem Alter von zehn Jahren in Bootshäusern, Ruderbooten, an und auf dem Wasser ab. In Hannover, wo sie aufwuchs, kam sie beim dortigen Deutschen Ruder-Club zu dem Sport, den sie bis heute liebt und wurde schnell als großes Talent erspäht. Sie gewann Regatten, wurde immer besser und bald auch entsprechend gefördert.

Ex-Olympionikin Carlotta Nwajide legt jetzt in den angesagten Clubs auf. Foto: T. Schendekehl
Ab der U17 performt sie in den Nationalteams des DRV. Heute sagt sie: „Aber richtig angekommen habe ich mich im Rudern nie gefühlt“. Es ist die Ambivalenz der Taktung eines permanent fremdbestimmten Lebens als Leistungssportlerin. Einerseits gab der Sport ihrem Leben eine Struktur, andererseits musste Carlotta auf so viel verzichten.
Mit 23 Jahren zieht sie nach Berlin, wo der Bundesstützpunkt der Frauen angesiedelt ist und wo sie schon seit einem Jahr mit dem Nationalteam trainierte. Ihr Fleiß und Ehrgeiz trägt bald Früchte. 2018 wird sie in Plovdiv Vize-Weltmeisterin im Doppelvierer mit Marie-Cathérine Arnold, Franziska Kampmann und Frieda Hämmerling. Mit fast derselben Mannschaft (statt Arnold saß Daniela Schulze im Boot) passiert drei Jahre später das Missgeschick im olympischen Finale von Tokio, wo der deutsche Doppelvierer auf Medaillenkurs lag und durch diesen folgenschweren Krebs auf Platz fünf zurückfällt.
„Damit war eine ganze Lebenskonzeption kaputt, keine Medaille“, sagt sie. „Ich war lange Zeit scheinbar für den Hochleistungssport gemacht, aber irgendwann wurde es stupide, langfristig war es nicht das richtige Konzept für mein Leben“, stellt Nwajide fest. Eigentlich wollte sie 2020 nach den Spielen in Tokio den Leistungssport an den Nagel hängen. Doch Olympia wurde wegen der Corona-Krise um ein Jahr verschoben, ebenso verschob Carlotta Nwajide dann ihr geplantes Karriereende.




